Der Titeltraum des VfL Stade platzt beim Speerwerfen

 

 

 

 

Die Staderin Bernice Amofa (vorne), hier gegen Tara Aykit von der Neckarsulmer Sport-Union, sprintete die 100 Meter in 12,72 Sekunden.

Foto: Verein

HALLE. Die Leichtathletinnen Mayleen Bartz, Bernice Amofa und Merle Schmidt vom VfL Stade waren so nah dran. Bei den Deutschen Mehrkampfmeisterschaften der U 16 in Halle/Saale standen sie zeitweise auf Platz zwei. Dann folgte das Unglück im Speerwurf.

Die Siebenkämpferinnen des VfL Stade waren am Wochenende mit großen Erwartungen nach Halle gereist – und erlebten statt des großen Triumphes den „Supergau eines jeden Mehrkämpfers“, sagt VfL-Trainer Friedhelm Hoefer. Als die Staderinnen sich bis auf wenige Punkte an die führende Mannschaft, den SC Neubrandenburg, herangekämpft hatten, geschah das aus seiner Sicht Unfassbare: Mayleen Bartz, die zuvor einen großen Anteil daran hatte, dass der VfL Stade in so aussichtsreicher Position lag, habe drei ungültige Würfe beim Speerwerfen produziert, womit der Traum vom Titel platzte. Und das, obwohl sie gut vorbereitet, in Form waren und bis zum Speerwurf einen „klasse Wettkampf“ gezeigt hätten, so Hoefer.

So verlief auch der Auftakt verheißungsvoll: Beim Hundertmeterlauf machten die drei Staderinnen über 40 Punkte gegenüber ihren Qualifikationswettkampf aus dem Juli gut. Bartz lief 12,59 Sekunden, Bernice Amofa in 12,72 Sekunden eine neue Bestzeit und Merle Schmidt blieb mit 13,14 Sekunden nur knapp über ihrer Bestmarke.

Starkes Teilnehmerfeld

Der Weitsprung war durchwachsen. Nur Bartz konnte mit 5,10 Metern glänzen. Im Kugelstoßen wuchs Amofa über sich hinaus, sie verbesserte sich um mehr als 1,2 Meter und stieß mit 11,20 Metern die siebtbeste Weite aller 36 Mehrkämpferinnen.

Die Meisterschaft in Halle war ohnehin extrem stark besetzt. Im Vorjahr in Mainz nahmen noch fünf Mannschaften teil, diesmal waren es neun. Vermutlich eine Folge der Corona-Pandemie, denn alle anderen deutschen Meisterschaften für diese Altersklasse wurden abgesagt. Und so trafen am Wochenende die besten deutschen Athleten der Jahrgänge 2005 und 2006 aufeinander.

Im Hochsprung, dem letzten Wettbewerb des ersten Tages, sprangen Bartz und Amofa jeweils über 1,61 Meter. Schmidt blieb mit 1,43 Metern unter ihren Möglichkeiten. Und trotzdem hatte der VfL sich bis auf 150 Punkte an die führende Mannschaft herangearbeitet. Entsprechend gut sei die Stimmung beim Abendessen in Halles Altstadt gewesen, sagt Hoefer.

Guter Start in den zweiten Tag

Der zweite Wettkampftag begann mit der Paradedisziplin des VfL, dem Hürdenlauf über 80 Meter. Bartz fegte „unwiderstehlich durch den Hürdenwald“, so Hoefer, und gewann ihren Lauf in starken 11,72 Sekunden. Dadurch setzte sie sich an die zweite Stelle der diesjährigen deutschen Bestenliste über 80 Meter Hürden.

Amofa steuerte ebenfalls starke 12,05 Sekunden bei, Schmidt rundete das Ergebnis mit 13,13 Sekunden ab. Der VfL Stade lag in der Mannschaftswertung nur noch 50 Punkte hinter Neubrandenburg auf Platz zwei. Das entspricht gerade einmal rund fünf Meter beim Speerwerfen.

Stade auf Rang fünf

Doch anstatt der Aufholjagd kam es zum Unglück. Das sei fast schon tragisch, sagt Hoefer, denn Schmidt habe im weiteren Verlauf des Wettbewerbes mit starken 33,36 Metern im Speerwerfen und 2:21:71 Minuten im 800-Meter-Lauf geglänzt. Keine andere Athletin sei über 800 Meter auch nur annähernd an diese Zeit herangekommen, so der Trainer. Der VfL Stade landete in der Mannschaftswertung auf dem fünften Platz mit 10.512 Punkten. Somit fehlten nur wenige Punkte zur Bronzemedaille.

Amofa wurde mit persönlicher Bestleistung von 3705 Punkten Achte in der Einzelwertung. Was am Ende gut getan habe, sei der große Zuspruch gewesen, den die drei Staderinnen durch die anderen Mehrkämpferinnen erfahren hätten, sagt Hoefer. „Das ist das Schöne in der Leichtathletik: Man streitet fair miteinander, aber man achtet sich.“

Quelle: Stader Tageblatt Online, 31.08.20