Wie der VfL Stade das Jahr vergolden will

 

 

 

 

Bernice Amofa, Mayleen Bartz und Merle Schmidt (von links) lagen beim letzten Aufeinandertreffen mit dem SV Halle 450 Punkte hinter dem Favoriten.

Foto: Daniel Berlin (TAGEBLATT)

STADE. Die U16-Leichtathletinnen vom VfL Stade gehen am Wochenende bei den Deutschen Meisterschaften in Halle/Saale auf Medaillenjagd. Bernice Amofa, Mayleen Bartz und Merle Schmidt müssen dort über sich hinauswachsen.

In Halle geht ein extrem starkes Feld an den Start. Das Siebenkampfteam aus Neubrandenburg hat den VfL Stade in der aktuellen Bestenliste erst vor einigen Tagen auf den dritten Platz verdrängt. Von hinten macht die Mannschaft aus Mainz Druck. Über allen thront derzeit das Team aus Halle an der Saale – der Top-Favorit auf die Verteidigung des Meistertitels. Im Vergleich zu den letzten Ergebnissen müsse sich der VfL Stade um gut 250 Punkte verbessern, dann könne wenigstens Neubrandenburg auf Distanz gehalten werden, meint Friedhelm Hoefer vom VfL-Team.

450 Punkte sind Welten im Siebenkampf. Und genau der Abstand, der sich beim letzten offiziellen Wettkampf zwischen dem SV Halle und dem VfL Stade nach sieben Disziplinen auftat. Im Rahmen der Mitteldeutschen Meisterschaften landete Stade hinter Halle auf Rang zwei. Dieses Ergebnis reichte aber, um sich für die Deutschen Meisterschaften zu qualifizieren.

Um die Hallenserinnen ernsthaft zu gefährden, müssten Bernice Amofa (14), Mayleen Bartz (14) und Merle Schmidt (15) am Sonnabend und am Sonntag über sich hinauswachsen. 450 Punkte bedeuten in Weiten oder Höhen umgerechnet etwa sechs Meter im Kugelstoßen und vier Zentimeter beim Hochsprung – letzteres pro Athletin wohlbemerkt. „Wenn wir uns überall verbessern, haben wir eine Chance“, sagt Merle Schmidt.

Mitgliederzahl verdoppelt

Der Erfolg der Athletinnen war in den vergangenen Jahren ein Grund dafür, dass die Leichtathletik-Abteilung des VfL Stade regen Zulauf erfuhr. Am Ende des silbernen Jahres 2019 lag die Mitgliederzahl bei mehr als 400. Eine Verdopplung im Vergleich zu den Vorjahren.

Schmidt sagt, die 800-Meter-Strecke sei ihre Paradedisziplin. Wobei sie das Wort gar nicht so gern verwendet. Schließlich müsse sie dafür nur halbwegs schnell geradeaus laufen können. Bei den Mitteldeutschen Meisterschaften war sie der gesamten Konkurrenz auf den beiden Stadionrunden davongelaufen und verbesserte sich in 2:21:75 Minuten in der Einzelwertung um fünf Ränge auf Platz vier.

In Topform präsentierte sich zuletzt Bernice Amofa. Mit ihren Einzelergebnissen belegte die 14-Jährige in Halle bei den Mitteldeutschen Rang zwei. Amofa peilt im Hochsprung die 1,70 Meter an. Ihre persönliche Bestleistung liegt aktuell zwei Zentimeter darunter. „Vielleicht geht es auch noch höher“, sagt Amofa. Zudem sei bei den abschließenden 800 Metern noch Luft nach oben.

Mayleen Bartz freut sich besonders auf die 80 Meter Hürden. Ihre Bestzeit über die Hindernisse steht bei 11,91 Sekunden. Im Training mit Wilfried Wieboldt hatte die 14-Jährige viel an ihrer Technik getüftelt. Im Startblock stellt sie jetzt den rechten Fuß nach vorne, statt den linken. Das erspart ihr einen Schritt weniger bis zur ersten Hürde und macht sie um ein paar Hundertstelsekunden schneller.

Trainingslager in Österreich

Ohnehin trainieren die drei Athletinnen des VfL Stade in den letzten Tagen vor der Deutschen Meisterschaft nur noch technische Feinheiten. Grundlagen, Spitzigkeit und Athletik haben sich Bernice Amofa, Mayleen Bartz und Merle Schmidt bei einem mehrwöchigen Trainingslager in Österreich geholt.

Erst am vergangenen Sonntag kehrten die Drei vom Faaker See in Kärnten zurück. Zwei Trainingseinheiten absolvierten sie täglich. Am Donnerstag ließen sie sich final von einem Sportmediziner durchchecken. Athleten, die bei Deutschen Meisterschaften teilnehmen, müssen ein Attest vom Arzt vorlegen, mit dem ihnen bescheinigt wird, dass Herz und Lunge einwandfrei funktionieren.

Die drei jungen Frauen geben sich bei einer der letzten Trainingseinheiten vor dem großen Auftritt in Halle an der Saale locker und gelöst. Nervös sei sie nicht, sagt Bernice Amofa. „Bislang habe ich noch keinen Druck gespürt.“ Und wenn die Anspannung doch im Anflug ist, lächelt sie sie einfach weg. Merle Schmidt räumt ein, dass sie nervös ist. Sie suche sich dann vor dem Wettkampf immer eine ruhige Ecke und schalte ab.

Die Rituale der Athletinnen

Mit blau lackierten Fingernägeln wird sie in Halle an den Start gehen. Ein Ritual. Ebenso glaubt sie daran, dass es hilft, wenn sie die gleichen Socken anzieht, die sie bei ähnlichen Anlässen seit Monaten an den Füßen hat. Mayleen Bartz kann richtig abschalten, wenn sie ihre langen blonden Haare flicht. „Das ist beim Wettkampf sowieso viel praktischer“, sagt sie.

Freitagabend kommen die drei Staderinnen in Halle an und belegen ihre Hotelzimmer. Vielleicht gehen sie noch kurz ins Stadion, um sich die Anlage anzusehen, um sich einzugewöhnen. Das schafft den Wohlfühlfaktor an den beiden Wettkampftagen. Höher, schneller, weiter – ein paar Zentimeter mehr oder einige Sekunden weniger würden reichen für den ganz großen Traum.

Quelle: Stader Tageblatt / 27.08.2020 / Autor: Daniel Berlin